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Klimawandel ist Herausforderung

Würzburg befindet sich in einem Talkessel mit einem sensiblen Mikroklima. Schwankendes Wetter, steigende Temperaturen und extreme Unwetterlagen stellen die Stadt zukünftig, mehr als andere Orte, auf die Probe. Nach Ansicht des Würzburger Klimaforschers Heiko Paeth ist mit Temperaturanstiegen von 4-5 °C in Mainfranken zu rechnen. Dabei ist die Innenstadt besonders betroffen. Aktuell können bereits Temperaturunterschiede von bis zu 6 °C gegenüber den äußeren Stadtteilen und den Landkreisgemeinden gemessen werden. Gerade im Sommer werden Höchstwerte von 40 °C keine Seltenheit darstellen.

Um den Boden vor Austrocknung zu schützen, die Temperaturen sowie Reflexionen an Gebäuden zu minimieren und starke Regenfälle abzufangen brauchen wir nachhaltige, kreative und effektive Konzepte. Ein solches ist das „Sponge-City“-System. Dieses wird bereits in einigen Städten angewandt und stellt ein kleines, in sich geschlossenes, zirkulierendes System dar. Einerseits müssen ökologische Faktoren berücksichtigt werden, wie die kühlende Wirkung von Bäumen und Sträuchern, andererseits ist auf die sozialen und kulturellen Faktoren hinzuweisen.

Stadtgrün und Baumbestand

Grüne Plätze bereichern das Stadtbild und bilden soziale Treffpunkte für alle Bürgerinnen und Bürger. Würzburg braucht mehr grüne Oasen! Solche Konzepte sollten unter städtebaulichen Maßnahmen berücksichtigt werden und durch Subventionen sowohl für die Stadtbau, als auch für Privatleute attraktiver gestaltet werden.

Eine lebenswerte Stadt darf keiner Betonwüste gleichen! Es braucht mehr Bäume, und zwar im gesamten Stadtgebiet. Der vorhandene Baumbestand muss erhalten bleiben, Grün- und Freiflächen sind zu erweitern. Wenn etwa für den Bau der Straßenbahnlinie 6 Bäume gefällt werden müssen, sind selbstverständlich Ausgleichsflächen im innerstädtischen Bereich zu schaffen sowie Baumversetzungen zu prüfen. Gerade die Stadtbäume bieten nicht nur Schutz vor Sonneneinstrahlung, sondern tragen auch zur Filterung von Luftschadstoffen bei. Allerdings sind sie den zunehmend steigenden Temperaturen hilflos ausgesetzt. Alleine im Hitzesommer 2018 waren im Stadtgebiet ca. 5000 abgestorbene Bäume zu konstatieren. Dieses Alarmzeichen muss ernst genommen werden! Würzburg braucht mehr Bäume, vor allem in der Innenstadt und anderen besonders betroffenen Stadtteilen. Aber auch zusätzliche Baumarten sind notwendig, welche an die neuen klimatischen Bedingungen angepasst sind.

Renaturierung und Klimaschutzkonzept

Die zentralen Fragen der Stadtentwicklung betreffen aber auch Arbeit und Leben der Bürgerinnen und Bürger. Hier ist die Stadtpolitik gefragt. Klimaänderungen müssen erkannt und der fortschreitende Klimawandel begrenzt werden. Dazu gehört auch, dass der zunehmende Flächenverbrauch, sprich die Versiegelung von Flächen, auf ein Minimum reduziert wird. Renaturierung von Flächen muss bei jedem neuen Bauvorhaben zur Auflage gemacht werden! Zudem braucht Würzburg mehr innerörtliche Parks, Grünflächen, zugängliche Bach- und Flussufer sowie Ruhe- und Erholungsräume. Durch das Freihalten von Frischluftschneisen und die Renaturierung von Bächen schafft man letztlich ein „weg vom Grau“ und mit der zunehmenden Begrünung von Plätzen, Häuserfassaden sowie Dächern ein „hin zum Grün“.

Die gewonnenen Bürgerentscheide zum Kardinal-Faulhaber-Platz und MOZ zeigen, dass das Verlangen der Bevölkerung nach einer echten Umweltpolitik steigt. Jetzt muss die Fortentwicklung des Kardinal-Faulhaber-Platzes in Einklang mit dem Ausbau der Straßenbahnlinie 6 und der Theater-Erweiterung gebracht werden. Zudem stellen wir uns entschieden gegen den Neubau eines Parkhauses auf der Grünfläche und dem angrenzenden Minigolfplatz in der Sanderau! Das Park-&-Ride-Parkhaus kann stattdessen auf einer bereits versiegelten Fläche in der Nähe der Feggrube errichtet werden.

Schlussendlich bleibt die Einhaltung des Luftreinhalteplans und die Umsetzung des Green-City-Masterplans unabdingbar. Die Stadt muss den Klimawandel und dessen Folgen bei künftigen politischen Entscheidungen mit oberster Priorität berücksichtigen und entsprechende Maßnahmen zur Eindämmung ergreifen. Die Stadt braucht ein Klimaschutzkonzept, das den Namen nicht nur zur Schau trägt, sondern auch verdient! Nur so ist es möglich, eine grüne, nachhaltige und lebenswerte Stadt zu entwickeln.

Artenvielfalt

Die Biodiversität und im Besonderen die Artenvielfalt sind essenziell für das Ökosystem, die Integrität der Natur und damit auch des Menschen. Da die massiven Eingriffe des Menschen in Natur und Umwelt – besonders seit dem Industriezeitalter – enorm zugenommen haben, hat sich die Zahl der aussterbenden Tierarten im Verhältnis zur natürlichen Rate verhundertfacht. Diese besorgniserregenden Zahlen wurden durch die IPBES-Studie von 2019, die der G7 als Grundlage zur Erarbeitung eines Klimaschutzpaketes dienen soll, zementiert.

Als DIE LINKE wissen wir, dass die Thematik äußerst komplex ist. Dennoch haben wir – in Anlehnung an das erfolgreiche und von uns mit unterstützte Volksbegehren von 2019 – das Projekt „Rettet die Bienen“ gestartet. Dabei werden Bienenvölker oder Solitärbienen angesiedelt, beobachtet und gepflegt. Die Partei als Initiator arbeitet dabei mit Imkereivereinen, dem Studentenwerk, der Universität, den Studenten und interessierten Mitbürgern zusammen. Ziel ist es, den Stellenwert der Insekten und im Speziellen der Bienen hervorzuheben, den Umgang mit ihnen spielerisch zu erlernen, für die Artenvielfalt aktiv zu werden und gleichzeitig einen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten. Dabei kann auf die Förderungen durch die Europäische Union, ein eigenes Budget und vielfältige Spenden zurückgegriffen werden. Die Einfachheit des Konzepts, die geringen Kosten und der einfache und verständliche Aufbau der Schulung und der Durchführung erlauben nicht nur zentral stationäre Bienenkästen, sondern bieten die Möglichkeit der individuellen Bewirtung der Bienen auch auf dem heimischen Balkon, Fensterbrett, Dach oder der Terrasse.

Urban Gardening

Unter Urban Gardening verstehen wir neue Formen gemeinschaftlichen Gärtnerns mitten in der Stadt. Im Unterschied zu den Kleingärten suchen die meist jungen Gärtnerinnen und Gärtner kein privates Refugium, sondern wollen bewusst „eine andere Stadt pflanzen“. Brachflächen, Parkgaragendächer und andere vernachlässigte Orte verwandeln wir in Eigenregie in grüne, lebensfreundliche Umgebungen für alle. Urbane Gärten sind offene Orte. Alle haben Zugang und erfahren, woher die Lebensmittel kommen, was biologische Vielfalt bedeutet oder wie man Saatgut selber reproduzieren kann.

Warum wollen heute so viele Menschen in Würzburg gärtnern? Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe: Einige wollen Würzburg begrünen und einen Garten für die Gemeinschaft schaffen, andere wollen sich selbst versorgen, selbst angepflanzte Lebensmittel ernten. Wieder andere wollen ihren Kindern ermöglichen, die Herkunft von Lebensmitteln kennenzulernen. Auch die Suche nach Entschleunigung ist ein Beweggrund für Urban Gardening. Öffentliche Räume sollen als Orte des Selbermachens allen offen stehen und ihnen die Möglichkeit geben, selbst aktiv zu werden, mit Menschen in Kontakt zu kommen und ihr Wissen und ihre Kreativität an den Tag zu legen. DIE LINKE will Urban Gardening fördern und Innenstadtflächen für Urban Gardening ausweisen. Zur Bewässerung sollen Regenwasserauffangbecken bereitgestellt werden.

Nachhaltigkeit

In Würzburg gibt es verschiedene Initiativen, die für gemeinsame nachhaltige Ziele einstehen. Für diese Initiativen sollen städtische Räumlichkeiten an einem möglichst innenstadtnah gelegenen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichenden Ort zur Verfügung gestellt werden. Das „Zukunftshaus Würzburg“ soll unter einem Dach möglichst vielen Initiativen Platz für kreatives Zusammenwirken schaffen, z.B. in Form von Räumlichkeiten zum Diskutieren, Improvisieren, Debattieren oder Arbeiten im künstlerischen oder handwerklichen Bereich. Ein „FabLab“ als offene Werkstatt („Repair-Café“) kann dort ebenso wie ein Gastro-Bereich in Selbstverwaltung u.v.m. untergebracht werden. Es dient so der Unterstützung ehrenamtlich tätiger Personen und Gruppen zum Vorteil aller in der Bürgerschaft Würzburgs und der Region.

Feinstaub und Stickoxide

Diese beiden Begriffe sind seit Jahren in aller Munde, nicht nur inhaltlich, sondern leider auch wortwörtlich. Die Stadt Würzburg hat als Kommune die Aufgabe und Verantwortung ihre Einwohner vor gesundheitlichen Schäden bestmöglich zu schützen. Dieser Verpflichtung kommt die Stadt nur im sehr geringen Umfang nach. Hier muss man entschieden handeln und nicht nur warten, bis „der Fuhrpark der Privat-PKW sich erneuert und das Problem von selbst verschwindet“, wie aus dem städtischen Umweltreferat zu hören war. Auch Menschen, die an vielbefahrenen Straßen wohnen, müssen eine hohe Lebensqualität genießen können. Hierfür muss die Stadt in Absprache mit dem Landesamt für Umwelt mehr aktive und passive Messstationen aufbauen und nach Auswertung der Messwerte entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Entscheidend um die Menge des anfallenden Feinstaubs zu verringern sind auch der Ausbau und die Steigerung der Attraktivität des ÖPNVs und des Radverkehrs. Das Konzept einer Citymaut wurde in diversen Städten (Oslo, London, Rom, Durham u.a.) erfolgreich eingeführt und sorgt für eine Reduzierung des innerstädtischen Autoverkehrs sowie für eine kommunale Einnahmequelle um den ÖPNV zu stärken. In Würzburg ist die Einführung einer Citymaut daher zu prüfen. Ziel sämtlicher Maßnahmen muss es sein, dass die gesetzlichen Bestimmungen, die sich im Luftreinhalteplan widerspiegeln, definitv eingehalten werden.

Wasserverunreinigung

Die Region Würzburg gehört zu den niederschlagsärmsten in Deutschland. Da sie bereits seit Jahren mit zunehmendem Wassermangel und einem sinkenden Grundwasserspiegel sowie Problemen in den Schutzwassergebieten zu kämpfen hat, ist es umso wichtiger, diese zukunftsfähig für die immer höher werdenden Temperaturen sowie Extremwetterlagen auszurichten. Vor allem sollte dabei eine möglichst hohe Qualität des Trink- und Nutzwassers gewährleistet sein. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Verunreinigungen des Trinkwassers in vielen Landkreisgemeinden und Teilen der Stadt Würzburg (wie z.B. Rottenbauer und Heuchelhof). Weil die Bevölkerung aber nur mangelhaft informiert wurde und die Zuständigkeiten nicht ausreichend geklärt wurden, fordern wir – neben einer klaren Differenzierung der Zuständigkeiten und Bereiche bei gleichzeitig vertiefter Zusammenarbeit – häufigere Tests des lokalen Wasserbestands und eine transparente und öffentlich zugängliche Darstellung der Messergebnisse. Bestehende Wasserschutzgebiete müssen geschützt und möglicherweise erweitert werden. Die Ursachen für Verunreinigungen müssen ausführlich untersucht und aufgeklärt werden, wozu in den kommunalen Behörden nicht zuletzt eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl notwendig ist.

Lichtverschmutzung

Ein oftmals wenig beachteter Bereich der Umweltbelastungen stellt die Lichtverschmutzung dar, besonders in Ballungsräumen. Eine Stadt ab einer Einwohnerzahl von 30.000 beeinflusst mit ihrer Gebäude- und Straßenbeleuchtung ein Gebiet im Umkreis von rund 25 Kilometern. Die Folgen für Mensch und Natur sind gravierend. Lichtverschmutzung trägt zum Aussterben von Flora und Fauna, besonders von Insekten, bei. Der Mangel an natürlicher Dunkelheit hat einen enormen Effekt auf den Tag-Nacht-Rhythmus und damit den Schlaf oder die Schlaflosigkeit von Menschen und Tieren, zu deren Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit es eine evidente wissenschaftliche Beweislast gibt.

Daher fordert DIE LINKE eine Reduktion der dauerhaften Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden und Einzelhandels- und Gastronomiebetrieben außerhalb der Betriebszeiten. Eine Reduktion der Außenbeleuchtung von Gebäuden im Allgemeinen und von Industrieanlagen soll geprüft und soweit als möglich umgesetzt werden. Auf wenig frequentierten Straßen und Wegen, vor allem in Wohngebieten, soll auf Laternen mit Bewegungssensorik umgestellt werden. Zudem muss die Stadt nach Ablauf der aktuellen Verträge Lampen einsetzen, die ein möglichst natürliches Licht abgeben. Dabei ist anzustreben, dass die grell-weißen herkömmlichen LEDs zügig durch die sogenannten Amber-LEDs ausgetauscht werden, die dunkelgelb-orange leuchten und damit verträglicher sind. Diese Maßnahmen würden die Lichtverschmutzung nicht nur in der Stadt Würzburg verringern, sondern auch im Landkreis. Mensch und Natur würden entlastet und deren Gesundheit gefördert werden. Auch Sternwarte und Universität würden in ihrer Arbeit davon profitieren.

Landwirtschaft

In unserer konventionellen wie auch biologischen Landwirtschaft, aber auch auf dem Stadtgebiet und Schienennetz, spielt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eine große Rolle. Das synthetische Glyphosat steht im Verdacht, eine karzinogene Wirkung auf den Menschen zu haben. Unser Ziel ist es, den Einsatz von Glyphosat wie auch anderen Pflanzenschutzmittel in unserem Stadtgebiet zu reduzieren und wo sinnvoll auch zu verbieten. Wir wollen die extensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen sowie schützenswerter, biodiversitätsreicher Standorte (z.B. allgemein Magerrasen) fördern. Auch in enger Absprache mit Experten angelegte mehrjährige Blühstreifen können einen sinnvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten.